NLS 10 2025

Mcchip-DKR Lamboghini Huracan GT3 Evo 2

Foto: Paul Schnurpfeil

NLS 10 2025

NLS10 am 11. Oktober 2025 – Ein Finale, das alles hatte

Text: Christian Schnurpfeil, 11.10.2025 21:14

Spannender Saisonabschluss für das Jahr 2025

Der 11. Oktober 2025 markierte auf der Nordschleife des Nürburgrings den Abschluss einer der anspruchsvollsten und zugleich vielschichtigsten Saison der Nürburgring Langstrecken-Serie seit Jahren. Beim Finale, dem Rennen um die „1. NLS Sportwarte‑Trophy“, trafen mehr als hundert Fahrzeuge aus über zwanzig verschiedenen Klassen aufeinander und unterstrichen den Charakter der Serie als Plattform für Profis und ambitionierte Privatiers gleichermaßen. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand dabei die prestigeträchtige SP9‑GT3‑Klasse, in der im Verlauf der vierstündigen Distanz ein enges Rennen entstand und schließlich ein Team als Sieger hervorging, das über die Saison hinweg bereits wiederholt seine Stärke gezeigt hatte.

Die äußeren Bedingungen am Tag des Rennens waren ungewöhnlich und setzten den Teilnehmern zusätzliche Herausforderungen. Zwar fiel kein Niederschlag, doch die sehr hohe Luftfeuchtigkeit hatte sich auf dem Asphalt niedergeschlagen, so dass besonders in den frühen Rennstunden der Belag auf weiten Strecken der Nordschleife glatt und rutschig war. Diese Situation zwang viele Teams dazu, frühzeitig auf Regenreifen zu wechseln, obwohl es faktisch trocken blieb – eine taktische Entscheidung, die sich als schwierig erwies, weil das Verhalten der Reifen auf derart feuchtem Untergrund nur schwer vorauszusehen war.

Zum Start des Rennens hatte sich eine starke und international besetzte GT3‑Spitze formiert. Unter den rund acht in der SP9‑Kategorie gemeldeten Fahrzeugen waren Traditionsteams wie Falken Motorsports, das Haupt Racing Team mit seinen Ford Mustang GT3‑Einsätzen, Audi‑Vertreter von JUTA Racing und weitere Porsche‑ sowie Lamborghini‑Boliden vertreten. Diese Vielfalt spiegelte nicht nur die Attraktivität der Serie für Hersteller wider, sondern auch die Leistungsdichte im GT3‑Segment, die über die gesamte Saison immer wieder für spektakuläre Duelle gesorgt hatte.

Schon im Qualifying hatte sich abgezeichnet, dass das Finale keine rein routinierte Angelegenheit werden würde. Mit einer beeindruckenden Rundenzeit von 7:48,717 Minuten setzte ein Ford Mustang GT3 des Haupt Racing Teams die Bestmarke und sicherte sich die Pole‑Position – schneller, als der offizielle Rundenrekord, der im Rennen gefahren werden musste. Direkt dahinter folgten weitere GT3‑Vertreter, darunter zwei Porsche 911 GT3 R von Falken Motorsports. Diese Startaufstellung versprach von Beginn an ein intensives Rennen mit engen Abständen und zahlreichen taktischen Finessen.

Bereits in den ersten Rennminuten zeigte sich, wie schwierig die Bedingungen waren: Auf der Nordschleife kam es in den schnellen Abschnitten zu mehr als einer kritischen Situation, weil der Luftfeuchtigkeitsfilm auf dem Belag herkömmliche Reaktionen der Reifen verhinderte. Einige Teams versuchten, auf Slicks unterwegs zu bleiben, in der Hoffnung, dass sich die Strecke stabilisieren würde. Andere wechselten früh auf Regenreifen, um den unerwartet niedrigen Grip zu kompensieren. Beides erwies sich als strategisch riskant, da die Balance zwischen Temperatur, Haftung und Abrieb auf dem langen Kurs extrem sensibel war.

Im Verlauf der ersten Stunde entwickelte sich innerhalb des GT3‑Feldes ein hart umkämpftes Duell. Die Porsche‑Teams von Falken, traditionell stark auf nassen Untergründen, zeigten schnell, dass sie mit den schwierigen Verhältnissen besser zurechtkamen als viele andere. Besonders hervorzuheben war dabei das fahrerische Können der eingesetzten Piloten, die ihre Fahrzeuge trotz des unberechenbaren Grips sauber durch den dichten Verkehr mit langsameren Klassen führten. Der Verkehr ist auf der Nordschleife – insbesondere in einem großen Feld wie beim Saisonfinale – ein entscheidender Faktor: Überrundungen, unterschiedliche Geschwindigkeitsniveaus und enge Passagen erfordern permanente Konzentration und tragen deutlich zur Gesamtperformance bei. Zur Rennmitte hatten sich mehrere Fahrzeuge aus dem engsten Favoritenkreis herauskristallisiert. An der Spitze setzte sich ein Falken Porsche 911 GT3 R ab, der in den strategischen Phasen mit effizienten Boxenstopps und klarem Reifenmanagement immer wieder Zeitgewinne verbuchen konnte. Hinter ihm folgten sowohl das Schwesterfahrzeug desselben Teams als auch der Ford Mustang GT3 des Haupt Racing Teams, der allerdings streckenweise Zeit einbüßte, wenn der griffige Untergrund zurückkehrte. Audi R8 LMS GT3‑Vertreter bemühten sich ebenfalls um Anschluss, kamen aber auf der rutschigen Nordschleife nicht immer in den optimalen Rhythmus. In der dritten Rennstunde begann sich das Rennen weiter zu stabilisieren. Während an der Spitze keine gravierenden Positionswechsel mehr stattfanden, blieb das Duell zwischen den beiden Falken Porsches und dem Ford spannend. Die Fahrer auf den ersten Plätzen zeigten ein hohes Maß an Präzision: Sie vermieden Fehler, fuhren konstant schnelle Rundenzeiten und setzten ihre Boxenstopps so, dass sie in günstige Verkehrssituationen zurückkehrten. Dieses Zusammenspiel von Fahrerleistung und strategischer Abstimmung ist es, was Langstreckenrennen auf der Nordschleife immer wieder von anderen Wettbewerben unterscheidet.

Als sich das Rennen dem Ende näherte, war klar, dass der Sieg über die Ziellinie nicht nur durch Rohgeschwindigkeit, sondern durch ein fehlerfreies Gesamtpaket errungen würde. Das Team, das in dieser Phase die Nerven behielt und alle Komponenten – Fahrerwechsel, Reifenwahl und Verkehrskontrolle – optimal koordinierte, konnte sich absetzen. Nach 4:01:30,077 Stunden überquerte schließ­lich ein Falken Motorsports Porsche die Ziellinie an der Spitze und sicherte seinem Team den Tagessieg in der SP9‑Pro‑Kategorie mit einem Vorsprung von 22,281 Sekunden vor dem zweiten Porsche desselben Teams. Der dritte Platz ging an den Ford Mustang GT3 des Haupt Racing Teams, der seine starke Saison mit einem weiteren Podestplatz krönte. Während der Sieg in SP9 den krönenden Abschluss der Saison bildete, war dieser Lauf auch aus anderer Perspektive bedeutend. Die Gesamtmeisterschaft der NLS‑Serie 2025 ging nicht an einen SP9‑Piloten, sondern an das Duo Nick Wüstenhagen und Ranko Mijatovic, die im BMW M4 GT4 des FK Performance Motorsport mit einer bemerkenswert stabilen Saisonleistung bereits vor dem Finale den Titel gewonnen hatten. Neun Siege in Folge hatten ihnen vor dem letzten Rennen bereits einen uneinholbaren Vorsprung verschafft, so dass bereits der zweite Platz im Finale ausreichte, um die Meisterschaft klarzumachen – ein Meilenstein für das Team aus Bremen, das seit über einem Jahrzehnt in der Serie aktiv ist.

Der NLS10‑Saisonabschluss 2025 zeigte einmal mehr, weshalb die Nürburgring Langstrecken‑Serie in Fachkreisen als eine der anspruchsvollsten und zugleich spannendsten Langstreckenmeisterschaften der Welt gilt. Die Kombination aus der einzigartigen Herausforderungen der Nordschleife, dem engen Wettbewerb im GT3‑Bereich und der Bedeutung taktischer Entscheidungen über vier Stunden macht jeden Saisonlauf zu einem Höhepunkt für Teilnehmer und Fans gleichermaßen. Die Ergebnisse dieses Finales – Sieg, Podestplätze und Meistertitel – spiegeln nicht nur die Leistung einzelner Teams wider, sondern auch die Vielschichtigkeit und Tiefe des Sports selbst.

Flaken Motorsport  und HRT

Foto: Christian Schnurpfeil

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