24H NBR 2025

Highlight 2025: Das 24H Rennen

Manthey Racing im Paddock nach dem Top-Qualifying

Foto: Paul Schnurpfeil

VORBERICHT 24H NÜRBURGRING 2025 –Das Highlight des Jahres

Text: Chrisitan Schnurpfeil, 1.6.2025 11:46

Das ADAC RAVENOL 24h‑Rennen Nürburgring 2025 steht in wneiger als 3 Wochen bevor, und die Vorfreude auf die 53. Auflage dieses einzigartigen Motorsportmarathons ist so groß wie selten zuvor. Vom 19. bis 22. Juni 2025 wird die Nordschleife erneut zum Schauplatz eines der härtesten und spektakulärsten Langstreckenrennen der Welt.

 Die Fakten, die der Veranstalter ADAC Nordrhein und der Nürburgring selbst bereits veröffentlicht haben, zeichnen ein Bild eines Events, das in seiner Dimension und Vielfalt kaum zu übertreffen ist. Rund 280.000 Zuschauer werden erwartet, dazu etwa 2.000 freiwillige Helfer, die das Mammutprojekt überhaupt erst möglich machen. Zwanzig Klassen werden an den Start gehen, sechs verschiedene Hersteller kämpfen um den Gesamtsieg, und die internationale Medienpräsenz ist gewaltig: Über 34 Stunden nationale TV‑Sendezeit, 12,84 Millionen Reichweite allein in Deutschland, 520 internationale Sender, die in 212 Länder übertragen, sowie über 2.000 Stunden Streaming‑Content zeigen, welche globale Bedeutung das Rennen inzwischen hat. Diese Zahlen stammen direkt aus den offiziellen Event‑Facts des 24h‑Teilnehmerportals und unterstreichen, dass das Rennen längst weit über die Grenzen Europas hinausstrahlt.

Die Saison 2025 begann traditionell mit dem Auftakt der Nürburgring Langstrecken‑Serie (NLS) am vorletzten Märzwochenende. Der Nürburgring selbst bezeichnete diesen Saisonstart als „Ouvertüre zu einem Epos in vielen Akten“, denn die NLS‑Rennen bilden seit jeher die sportliche und technische Vorbereitung auf das 24‑Stunden‑Rennen. Auch wenn die konkreten Ergebnisse der NLS‑Läufe 1, 2 und 3 sowie der 24h‑Qualifiers zum jetzigen Zeitpunkt nicht öffentlich dokumentiert sind, bleibt ihre Bedeutung unbestritten. Die Teams nutzen diese Rennen, um Setups zu verfeinern, Reifenfenster zu verstehen, Fahrerwechsel zu trainieren und die Abläufe im Verkehr zu optimieren. Die Nordschleife ist mit über 25 Kilometern die längste permanente Rennstrecke der Welt, und kein Simulator, kein Testtag und kein anderes Rennen kann die Kombination aus Geschwindigkeit, Topografie, Wetterwechseln und Verkehrsdichte realistisch abbilden. Deshalb sind die NLS‑Rennen und die Qualifiers für die Teams unverzichtbar, auch wenn die Öffentlichkeit nicht immer alle Details zu den Abläufen erhält.

Die 24h‑Qualifiers, die am 24. und 25. Mai 2025 stattfinden, sind traditionell der letzte große Härtetest vor dem eigentlichen Rennen. Der Nürburgring selbst bezeichnet sie als „ersten Akt“ des 24h‑Dramas. Sie bieten den Teams die seltene Möglichkeit, unter nahezu identischen Bedingungen wie beim Hauptrennen zu testen: lange Stints, Nachtfahrten, Boxenstopps unter Rennbedingungen und die direkte Konkurrenz mit den stärksten GT3‑Teams der Welt. Auch wenn keine Ergebnisse öffentlich vorliegen, ist klar, dass die Qualifiers für die Hersteller und Topteams eine zentrale Rolle spielen. Die Balance of Performance (BoP), die das Kräfteverhältnis zwischen den GT3‑Fahrzeugen regelt, wird in dieser Phase finalisiert. Die Hersteller sammeln Daten, die für die finale Abstimmung entscheidend sind. Und die Fahrer nutzen die Gelegenheit, um sich auf die spezifischen Herausforderungen der Nordschleife einzustellen, die im Juni durch höhere Temperaturen und potenziell wechselhafteres Wetter noch einmal anders sein können als im Frühjahr.

Die 24 Stunden Nürburgring 2025 sind Teil der Intercontinental GT Challenge, wo sie als zweiter Lauf der Saison geführt werden. Das bedeutet, dass internationale Topteams und Werksfahrer aus aller Welt anreisen werden. Die GT3‑Klasse ist traditionell das Herzstück des Rennens, und die offiziellen Informationen bestätigen, dass sechs verschiedene Hersteller um den Gesamtsieg kämpfen werden. Auch wenn die genauen Starterlisten erst kurz vor dem Event veröffentlicht werden, ist davon auszugehen, dass die üblichen Schwergewichte vertreten sein werden: Porsche, BMW, Audi, Mercedes‑AMG, Aston Martin und Lamborghini. Die Hersteller nutzen das Rennen nicht nur als sportlichen Wettbewerb, sondern auch als technisches Schaufenster. Die Nordschleife ist ein Prüfstand, der härter ist als jede Teststrecke der Welt. Wer hier besteht, beweist nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Haltbarkeit, Effizienz und Zuverlässigkeit.

Die Bedeutung des Rennens zeigt sich auch in den technischen und organisatorischen Dimensionen. Die 24 Stunden Nürburgring sind ein logistisches Großprojekt. Die Boxengasse wird zur pulsierenden Kommandozentrale, in der jede Sekunde zählt. Die Teams müssen über 24 Stunden hinweg fehlerfrei arbeiten, Boxenstopps präzise timen, Reifenstrategien anpassen und auf Wetterumschwünge reagieren. Die Nordschleife ist berüchtigt für ihre Mikroklimata: Während es im Bereich Hatzenbach trocken sein kann, regnet es gleichzeitig im Schwalbenschwanz. Diese Unberechenbarkeit macht das Rennen so besonders und so schwierig. Die Fahrer müssen jederzeit bereit sein, auf veränderte Bedingungen zu reagieren, und die Ingenieure müssen Strategien entwickeln, die flexibel genug sind, um auf jede Eventualität zu reagieren.

Ein weiterer Aspekt, der das Rennen 2025 prägen wird, ist die zunehmende Vielfalt im Feld. Der Nürburgring selbst spricht von einem „bunten, vielfältigen und spannenden“ Starterfeld. Die 20 Klassen reichen von hochmodernen GT3‑Boliden über Cup‑Fahrzeuge bis hin zu seriennahen Produktionswagen. Diese Mischung ist weltweit einzigartig und sorgt dafür, dass das Rennen nicht nur ein Kampf um den Gesamtsieg ist, sondern auch ein Wettbewerb innerhalb der Klassen. Für viele Teams ist ein Klassensieg genauso wertvoll wie ein Gesamtsieg, und die Fans lieben die Vielfalt, die sich auf der Strecke entfaltet. Die schnellsten Fahrzeuge überrunden die langsamsten mehr als einmal pro Stunde, was zu einer Dynamik führt, die es in dieser Form nur auf der Nordschleife gibt.

Die Zuschauerzahlen unterstreichen die Bedeutung des Rennens. Rund 280.000 Fans werden erwartet, die das Event zu einem der größten Motorsportereignisse der Welt machen. Die Campingplätze rund um die Strecke sind legendär, und die Atmosphäre ist einzigartig. Die Fans bauen ganze Dörfer auf, mit selbstgebauten Tribünen, Lichtinstallationen und Grillstationen. Das 24h‑Rennen ist nicht nur ein sportliches Ereignis, sondern ein kulturelles Phänomen, das Menschen aus aller Welt anzieht. Die Mischung aus Motorsport, Festivalstimmung und Naturerlebnis macht das Event unvergleichlich.

Auch die mediale Reichweite ist beeindruckend. Die offiziellen Zahlen zeigen, dass das Rennen weltweit übertragen wird, mit über 2.700 internationalen Sendungen und einer Gesamtsendedauer von mehr als 2.400 Stunden. Die Onboard‑Streams, die über 1,7 Millionen Views generieren, ermöglichen es den Fans, das Rennen aus der Perspektive der Fahrer zu erleben. Die Kombination aus TV‑Übertragung, Livestreams und Social Media macht das Rennen zu einem globalen Ereignis, das Millionen von Menschen erreicht.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die technische Innovation. Das 24h‑Rennen ist traditionell ein Ort, an dem Hersteller neue Technologien testen. Die Nordschleife ist ein Prüfstand, der härter ist als jede Teststrecke der Welt. Wer hier besteht, beweist nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Haltbarkeit, Effizienz und Zuverlässigkeit. Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine immer größere Rolle. In den vergangenen Jahren wurden vermehrt alternative Kraftstoffe und neue Antriebskonzepte getestet, und es ist davon auszugehen, dass dieser Trend 2025 weitergeht. Die Hersteller nutzen das Rennen, um Technologien zu erproben, die später in Serienfahrzeugen eingesetzt werden könnten.

Manthey Racing und der legendäre „Grello“ gehören auch 2025 zwangsläufig zum engsten Favoritenkreis. Das gelb‑grüne Auto mit der Startnummer 911 ist nicht nur optisch eine Ikone, sondern auch statistisch: Manthey ist mit Abstand das erfolgreichste Team in der Geschichte des 24‑Stunden‑Rennens auf dem Nürburgring, mit mehreren Gesamtsiegen und unzähligen Podestplätzen. Diese Historie, kombiniert mit der engen Verbindung zu Porsche und der Rolle als inoffizielles „Werksteam“ auf der Nordschleife, macht den Grello Jahr für Jahr zum Maßstab. Wenn ein Porsche ganz vorne erwartet wird, dann in der Regel dieser. Die Mannschaft kennt jede Nuance der Strecke, hat über Jahrzehnte Setups, Abläufe und Strategien verfeinert und ist es gewohnt, mit maximalem Erwartungsdruck umzugehen. Auch ohne konkrete Ergebnisse aus den NLS‑Läufen oder den Qualifiers zu kennen, ist klar: Sobald der Grello auf der Starterliste steht, führt an ihm in jeder Favoritendiskussion kein Weg vorbei. Die Kombination aus Werksunterstützung, Top‑Fahrerkader und Nordschleifen‑Erfahrung ist einzigartig – und genau das macht Manthey zu einem der zentralen Fixpunkte im Kampf um den Gesamtsieg.

Gleichzeitig wäre es zu kurz gegriffen, das Rennen auf Manthey und Porsche zu reduzieren. BMW hat in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass man auf der Nordschleife auch mit vergleichsweise schlanker Werkspräsenz extrem schlagkräftig auftreten kann. Selbst wenn 2025 nur ein offiziell unterstützter GT3‑Einsatz auf der Nennliste stehen sollte, wäre dieser ein heißes Eisen im Feuer. BMW bringt traditionell hochkarätige Fahrerbesetzungen an den Start, oft mit DTM‑, GT‑ und Werksprofis, die die Nordschleife in‑ und auswendig kennen. Der M4 GT3 hat seine Wettbewerbsfähigkeit auf der Langstrecke bereits mehrfach unter Beweis gestellt, und die Marke hat eine lange Erfolgsgeschichte beim 24‑Stunden‑Rennen, inklusive mehrerer Gesamtsiege. Ein einzelner, perfekt vorbereiteter Werks‑ oder Werkskundeneinsatz kann auf der Nordschleife mehr wert sein als eine ganze Flotte mittelmäßig abgestimmter Fahrzeuge. Genau darin liegt die Stärke von BMW: fokussierte Programme, starke Ingenieursarbeit, erfahrene Fahrer – und die Fähigkeit, über 24 Stunden hinweg konstant auf höchstem Niveau zu performen.

Auch Mercedes‑AMG reist traditionell mit stark besetzten Fahrzeugen an den Ring. Die GT3‑Boliden aus Affalterbach gehören seit Jahren zu den Konstanten im vorderen Feld. Werksteams und leistungsstarke Kundenteams teilen sich die Einsätze, oft mit international renommierten Fahrern aus GT‑World‑Challenge, IMSA oder anderen Top‑Serien. Der Mercedes‑AMG GT3 gilt als robust, fahrerfreundlich und im Rennen sehr konstant – Eigenschaften, die auf der Nordschleife Gold wert sind. In den vergangenen Jahren war AMG immer wieder in der Lage, bis tief in die Nacht und oft bis in die Schlussphase hinein um den Gesamtsieg mitzufahren. Auch 2025 ist davon auszugehen, dass mehrere AMG‑Fahrzeuge mit Werksunterstützung und hochkarätigen Line‑ups an den Start gehen werden. Sie sind keine Außenseiter, sondern integraler Bestandteil des Favoritenkreises.

Hinzu kommt, dass das 24‑Stunden‑Rennen längst nicht mehr nur von klassischen Werksmannschaften geprägt wird. Viele starke Kundenteams bringen hochprofessionell vorbereitete GT3‑Fahrzeuge an den Start, oft mit Werksfahrern in der Besetzung oder zumindest mit Werksunterstützung im Hintergrund. Teams wie ROWE, Scherer, GetSpeed, Walkenhorst, Frikadelli, HRT oder andere etablierte Nordschleifen‑Strukturen (je nach endgültiger Nennliste) stehen sinnbildlich für diesen Trend: Sie sind organisatorisch und technisch auf einem Niveau, das sich vor reinen Werkseinsätzen nicht verstecken muss. Die Balance of Performance sorgt zudem dafür, dass die Unterschiede zwischen den Marken klein bleiben. Das bedeutet: Nicht nur Manthey, nicht nur ein einzelner BMW oder ein einzelner AMG sind Siegkandidaten, sondern ein ganzes Paket an Teams, die über 24 Stunden hinweg jederzeit in Schlagdistanz zur Spitze sein können.

In der Summe ergibt sich damit ein Bild, das typisch für das 24‑Stunden‑Rennen ist: Manthey Racing mit dem Grello als historisch gewachsener Top‑Favorit, BMW mit einem potenziell einzigen, aber extrem schlagkräftigen GT3‑Speer an der Front, Mercedes‑AMG mit mehreren stark besetzten Fahrzeugen und dazu eine breite Phalanx weiterer GT3‑Teams, die alle das Potenzial haben, bei einem sauberen Rennen ganz vorne aufzutauchen. Die Nordschleife hat in der Vergangenheit oft gezeigt, dass nicht immer das nominell stärkste Paket gewinnt, sondern das Team, das am wenigsten Fehler macht, die wenigsten Probleme hat und zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen trifft. Genau deshalb ist der Favoritenstatus im Vorfeld zwar ein spannendes Thema – entschieden wird das Rennen aber erst in diesen 24 Stunden, in denen sich Grello, BMW, AMG und der Rest des Feldes der „Grünen Hölle“ stellen müssen.

Die Fahrer spielen eine zentrale Rolle. Das 24h‑Rennen zieht jedes Jahr einige der besten Piloten der Welt an z.B. Kévin Estre, Raffaele Marciello, Maro Engel, Thomas Preining oder Christopher Hasse. Wer hier bestehen will, braucht nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch mentale Stärke, Ausdauer und die Fähigkeit, im Verkehr kluge Entscheidungen zu treffen. Die Nachtstunden sind besonders anspruchsvoll. Die Dunkelheit, die wechselnden Lichtverhältnisse und die hohe Geschwindigkeit machen die Nacht zu einer der größten Herausforderungen des Rennens. Viele Fahrer sagen, dass die Nacht auf der Nordschleife ein Erlebnis ist, das man mit nichts anderem vergleichen kann. Die Konzentration muss über Stunden hinweg hoch bleiben, und jeder Fehler kann das Rennen kosten.

Die Teams bereiten sich monatelang auf das Rennen vor. Die NLS‑Rennen und die Qualifiers sind wichtige Bausteine dieser Vorbereitung, auch wenn die Öffentlichkeit nicht alle Details kennt. Die Ingenieure analysieren Daten, simulieren Szenarien und entwickeln Strategien, die flexibel genug sind, um auf jede Eventualität zu reagieren. Die Mechaniker trainieren Boxenstopps, die oft in weniger als einer Minute durchgeführt werden müssen. Die Fahrer absolvieren Testfahrten, um sich auf die spezifischen Anforderungen der Nordschleife einzustellen. All diese Elemente fließen in die Vorbereitung ein und entscheiden am Ende darüber, wer um den Sieg kämpfen kann.

Das 24h‑Rennen 2025 wird ein Event, das in vielerlei Hinsicht Maßstäbe setzt. Die Kombination aus sportlicher Qualität, technischer Innovation, globaler Reichweite und emotionaler Atmosphäre macht das Rennen einzigartig. Die offiziellen Fakten zeigen, dass das Event größer, vielfältiger und internationaler ist als je zuvor. Die Nordschleife ist ein Ort, an dem Legenden geboren werden, und die 53. Auflage des Rennens verspricht, ein weiteres Kapitel dieser Geschichte zu schreiben. Die Fans können sich auf ein Wochenende freuen, das Motorsport in seiner reinsten Form bietet: hart, unberechenbar, emotional und absolut faszinierend. Und vielleicht sogar mit viel Sonnenschein im Juni.

24H Nürburgring 2025: Das Rennen

Foto: Paul Schnurpfeil

Zweimal rund um die Uhr

Text: Paul Schnurpfeil, 24.6.2025 14:11

Das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2025 hat einmal mehr eindrucksvoll bewiesen, warum dieses Event zu den anspruchsvollsten, emotionalsten und besten Motorsportveranstaltungen der Welt zählt. Mit einer offiziellen Streckenlänge von 25,378 Kilometern, über 130 gestarteten Fahrzeugen, mehr als 400 Fahrern aus über 30 Nationen und rund 280.000 Zuschauern vor Ort erreichte die 53. Auflage Dimensionen, die weit über ein klassisches Rennen hinausgehen. Es ist ein Ausnahmezustand für die gesamte Region – sportlich, organisatorisch und kulturell.

Bereits Tage vor dem eigentlichen Start verwandelte sich die Eifel in eine gigantische Motorsportlandschaft. Die Anreise der Fans begann teilweise schon am Wochenende zuvor. Besonders entlang der Nordschleife entstanden kilometerlange Campingzonen, die sich über legendäre Streckenabschnitte wie Brünnchen, Pflanzgarten oder Hatzenbach erstreckten. Schätzungen zufolge waren mehrere zehntausend Campingfahrzeuge vor Ort – vom einfachen Zelt bis hin zu aufwendig ausgestatteten Trucks mit eigener Stromversorgung, Lichtanlagen und sogar selbstgebauten Tribünen.

Der offizielle Auftakt zur Rennwoche erfolgte am Mittwoch mit dem Adenauer Racing Day. In der Innenstadt von Adenau, die nur wenige Kilometer vom Nürburgring entfernt liegt, versammelten sich mehrere zehntausend Zuschauer. Die engen Straßen boten eine einzigartige Kulisse: Hochmoderne GT3-Fahrzeuge mit bis zu 600 PS rollten im Schritttempo durch die Stadt, begleitet vom Applaus der Fans.Für die Teams war dieser Tag mehr als ein PR-Termin. Teams und Marken wie Rowe Racing, Manthey Racing und Audi Sport Team Phoenix präsentierten ihre Fahrzeuge und Fahrer in einer Form, die im modernen Motorsport selten geworden ist. Die Fahrer nahmen sich Zeit für Gespräche, gaben Interviews und zeigten sich bewusst nahbar. Gerade für junge Fans ist dieser direkte Kontakt ein prägendes Erlebnis. 

Hinter den Kulissen begann parallel die intensive Vorbereitungsphase an der Strecke. Jedes Team brachte mehrere Tonnen Material mit in die Eifel – Ersatzteile, Reifen, Werkzeuge und Dateninfrastruktur. Ein modernes GT3-Team arbeitet während des Wochenendes mit bis zu 40 Crewmitgliedern pro Fahrzeug. Insgesamt sind mehrere tausend Personen direkt am Renngeschehen beteiligt.

Am Donnerstag startete der sportliche Teil mit den ersten freien Trainings und Qualifying-Sessions. Die Teams hatten mehrere Stunden Zeit, um ihre Fahrzeuge auf die extremen Anforderungen der Strecke abzustimmen. Dabei mussten sie zahlreiche Variablen berücksichtigen: Asphaltzustand, Temperaturunterschiede zwischen einzelnen Streckenabschnitten, Höhenunterschiede von über 300 Metern und wechselnde Windverhältnisse. Ein zentraler Bestandteil war das Nachttraining. Diese Session ist entscheidend, da etwa 10 bis 12 Stunden des Rennens unter Dunkelheit stattfinden. Die Nordschleife gilt ohnehin als eine der schwierigsten Rennstrecken der Welt – nachts vervielfacht sich diese Herausforderung. Fahrer sehen oft nur wenige Meter voraus, während sie Geschwindigkeiten von über 250 km/h erreichen. Das Nachttraining brachte auch erste Zwischenfälle. Mehrere Fahrzeuge drehten sich oder schlugen leicht in die Leitplanken ein. Solche Vorfälle sind auf der Nordschleife keine Seltenheit – die Strecke verzeiht keine Fehler. Gleichzeitig liefern diese Erfahrungen wertvolle Erkenntnisse für das Rennen.

Der Freitag stand im Zeichen des Top-Qualifyings. Diese Session ist eines der Highlights des Wochenendes. Nur die schnellsten Fahrzeuge qualifizieren sich dafür, und die Strecke ist für wenige Runden komplett frei ohne Verkehr. Dadurch entstehen ideale Bedingungen für schnelle Runden. Die Fahrer bewegten ihre Fahrzeuge am absoluten Limit. Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 150 km/h auf einer Strecke mit mehr als 170 Kurven sind ein eindrucksvoller Beleg für das Leistungsniveau heutiger GT3-Fahrzeuge. Die Unterschiede zwischen den Top-Teams lagen im Bereich von wenigen Zehntelsekunden. Auffällig war, dass Rowe Racing im Qualifying nicht zu den absoluten Favoriten zählte. Der spätere Sieger startete lediglich von Platz 17 – ein Umstand, der im Nachhinein die Leistung des Teams noch bemerkenswerter erscheinen lässt.

Parallel dazu erreichte die Fan-Kultur ihren Höhepunkt. Die Campingplätze waren vollständig ausgelastet. Schätzungen gehen von über 50.000 Campern entlang der Strecke aus. Viele Fans investierten Monate in die Vorbereitung ihrer Camps – inklusive aufwendiger Konstruktionen, Lichtshows und thematischer Gestaltung. Die Atmosphäre war einzigartig: Tagsüber Motorsport, nachts Festival. Musik, Grillgeruch und das Dröhnen der Motoren verschmolzen zu einem Gesamterlebnis, das oft als „Woodstock des Motorsports“ beschrieben wird. Trotz der großen Menschenmengen blieb die Stimmung überwiegend friedlich und gemeinschaftlich.

Am Samstag um 16 Uhr erfolgte schließlich der Start des Rennens. Mehr als 130 Fahrzeuge setzten sich gleichzeitig in Bewegung – ein beeindruckendes Bild. Bereits in der Anfangsphase entwickelte sich ein intensiver Kampf an der Spitze. Der Porsche von Manthey Racing setzte sich zunächst an die Spitze und dominierte große Teile des Rennens. Doch das Rennen nahm früh eine unerwartete Wendung. Ein Stromausfall führte zu einer Unterbrechung von rund zweieinhalb Stunden – ein äußerst seltenes Ereignis. Die Auswirkungen waren erheblich: Strategien mussten neu berechnet werden, Fahrer verloren ihren Rhythmus, und das Feld wurde faktisch neutralisiert.

Nach dem Restart begann ein neues Rennen. Besonders Rowe Racing nutzte diese Situation für eine beeindruckende Aufholjagd. Durch konstante Rundenzeiten, fehlerfreie Boxenstopps und eine clevere Strategie arbeitete sich das Team Schritt für Schritt nach vorne.

Die Nachtphase brachte die typische Dramatik des Nürburgrings. Trotz überwiegend trockener Bedingungen stellten hohe Temperaturen eine enorme Belastung dar. Cockpit-Temperaturen von über 50 Grad Celsius sind keine Seltenheit. Fahrer verlieren während eines Stints mehrere Liter Flüssigkeit und müssen sich physisch extrem belasten. Der Verkehr spielte eine zentrale Rolle. Mit Fahrzeugen aus über 20 Klassen, deren Geschwindigkeitsunterschiede teilweise über 100 km/h betragen, ist das Überrunden eine der größten Herausforderungen. Mehrere kritische Situationen führten zu Code-60-Phasen, bei denen das gesamte Feld auf 60 km/h verlangsamt wird. Ein besonders kontroverser Moment entstand durch eine Kollision im Überrundungsverkehr. Das spätere Siegerfahrzeug war beteiligt, erhielt zunächst eine Strafe, die jedoch später zurückgenommen wurde. Diese Entscheidung sorgte für Diskussionen und zeigte die Komplexität der Rennleitung.

Noch größer war die Kontroverse um den führenden Manthey-Porsche. Nach einem Zwischenfall wurde eine Zeitstrafe von 100 Sekunden verhängt. Obwohl das Fahrzeug als erstes die Ziellinie überquerte, reichte es aufgrund dieser Strafe nur für Platz zwei.Der Sieg ging damit an Rowe Racing. Die Fahrer Augusto Farfus, Jesse Krohn, Raffaele Marciello und Kelvin van der Linde absolvierten 141 Runden – das entspricht einer Distanz von rund 3.578 Kilometern. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei etwa 150 km/h – trotz Unterbrechung und zahlreicher Code-60-Phasen.Für BMW war es der 21. Gesamtsieg bei diesem Rennen – ein bedeutender Meilenstein. Das Podium komplettierten Manthey Racing auf Platz zwei und das Porsche-Team Dinamic GT auf Rang drei.

Die Boxenstopps spielten eine entscheidende Rolle. Ein typischer Stopp dauert etwa 90 bis 120 Sekunden und umfasst Tanken, Reifenwechsel und Fahrerwechsel. Über die Renndistanz absolvieren Top-Teams mehr als 20 Stopps – jeder einzelne ein potenzieller Wendepunkt.Auch die Technik wurde bis an ihre Grenzen belastet. Bremsen erreichen Temperaturen von über 800 Grad Celsius, Motoren laufen über 24 Stunden nahezu am Limit, und selbst kleinste Defekte können das Aus bedeuten. Mehrere Favoriten mussten das Rennen aufgrund technischer Probleme vorzeitig beenden.

Die Fans erlebten das Rennen aus nächster Nähe. Anders als bei vielen anderen Motorsportevents gibt es am Nürburgring zahlreiche frei zugängliche Bereiche entlang der Strecke. Diese Nähe schafft eine besondere Verbindung zwischen Zuschauern und Rennen. Das Wetter blieb 2025 weitgehend stabil, doch die Hitze stellte eine zusätzliche Herausforderung dar. Anders als in regenreichen Jahren lag der Fokus stärker auf Kühlung und Reifenmanagement. Teams mussten ihre Strategien entsprechend anpassen. In den letzten Stunden des Rennens verdichtete sich das Geschehen nochmals. Der Kampf um die Spitzenposition blieb spannend, während gleichzeitig zahlreiche Teams um Klassensiege kämpften. Insgesamt wurden über 20 Klassen gewertet – ein Beleg für die Vielfalt dieses Rennens. Als schließlich die Zielflagge fiel, entlud sich die Spannung. Jubel bei Rowe Racing, Enttäuschung bei Manthey Racing – und Diskussionen im gesamten Fahrerlager.

Das 24-Stunden-Rennen 2025 wird als eines der kontroversesten und gleichzeitig faszinierendsten Rennen in die Geschichte eingehen. Es vereinte sportliche Höchstleistungen, technische Perfektion, strategische Komplexität und eine einzigartige Atmosphäre.Mit über 280.000 Zuschauern, Millionen von TV-Zuschauern weltweit und einer enormen medialen Reichweite bleibt das Event ein zentraler Bestandteil des internationalen Motorsports. Gleichzeitig zeigt es, dass trotz aller Professionalisierung die Leidenschaft im Mittelpunkt steht.

Für die Teams war es ein Kampf über 24 Stunden – für die Fans ein Erlebnis über mehrere Tage. Und für den Nürburgring ein weiteres Kapitel einer Geschichte, die jedes Jahr neu geschrieben wird.

2026 findet das 24H Rennen vom 14.5-17.5 statt

Foto: Paul Schnurpfeil

Foto: Christian Schnurpfeil

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