Disqualifikation Verstappen

Max Verstappen verliert NLS‑Sieg nach Regelverstoß  

Die Hintergründe der Disqualifikation bei NLS 2 2026

Foto: Paul Schnurpfeil

Text: Paul Schnurpfeil 22.3.2026, 9:08

Nürburg. Der zweite Lauf der Nürburgring Langstrecken-Serie am 21. März 2026, der 58. ADAC Barbarossapreis, entwickelte sich zunächst zu einer beeindruckenden Vorstellung von Max Verstappen, bevor er wenige Stunden nach Rennende in einer der aufsehenerregendsten Entscheidungen der jüngeren Seriengeschichte gipfelte. Gemeinsam mit Daniel Juncadella und Jules Gounon dominierte Verstappen das Geschehen im Mercedes-AMG GT3 sowohl im Qualifying als auch im Rennen – doch der vermeintliche Sieg wurde ihm nachträglich aberkannt.

Bereits im Zeittraining setzte Verstappen ein klares Zeichen. Mit einer Rundenzeit von 7:51.751 Minuten sicherte er sich die Pole-Position und verwies unter anderem Christopher Haase im Audi sowie die Konkurrenz von ROWE Racing auf die Plätze. Auf der anspruchsvollen Kombination aus Grand-Prix-Kurs und Nürburgring Nordschleifeunterstrich der Niederländer damit eindrucksvoll seine wachsende Stärke im GT3-Sport. Auch im Rennen knüpfte das Fahrertrio nahtlos an diese Leistung an. Nach einem intensiven Duell mit Haase in der Anfangsphase übernahm Verstappen erneut die Führung und kontrollierte das Rennen über weite Strecken. Das Team agierte strategisch sauber, bewegte sich souverän durch den dichten Verkehr und setzte sich auch unter wechselnden Bedingungen konstant an der Spitze fest. Nach vier Rennstunden überquerte der Mercedes-AMG GT3 als erstes Fahrzeug die Ziellinie – ein scheinbar perfekter Tag für Verstappen und seine Teamkollegen.

Doch die Wende folgte kurz darauf bei der technischen Nachkontrolle. Rund zwei Stunden nach Rennende wurde das Team über einen Regelverstoß informiert, der letztlich zur Disqualifikation führte. Die Analyse der technischen Kommissare ergab, dass während des Rennwochenendes insgesamt sieben Reifensätze verwendet worden waren – erlaubt sind laut Reglement jedoch nur sechs. Die Überprüfung erfolgte über ein digitales Kontrollsystem, die sogenannte Tyre-App, mit der jeder eingesetzte Reifensatz eindeutig dokumentiert wird. Auf dieser Grundlage entschieden die Sportkommissare konsequent auf Wertungsausschluss. Die Rekonstruktion der Ereignisse zeigt, dass es sich nicht um einen bewusst herbeigeführten Regelbruch handelte, sondern um eine Verkettung unglücklicher Umstände. Am Rennmorgen herrschten ungewöhnlich niedrige Temperaturen von etwa fünf Grad Celsius, was die Teams zu Anpassungen zwang. Im Qualifying entschied sich die Mannschaft, zusätzliche Soft-Reifensätze zu testen, um Daten für das Rennen zu sammeln. Diese Runs waren ursprünglich nicht eingeplant und führten dazu, dass sich die interne Reifenzuordnung verschob. Am Ende wurde dadurch unbeabsichtigt ein siebter Reifensatz eingesetzt – ein klarer Verstoß gegen das Reglement.

Trotz der Disqualifikation bleibt die sportliche Leistung des Fahrertrios unbestritten. Verstappen zeigte erneut, wie schnell er sich an die extrem anspruchsvolle Nordschleife anpassen kann. Die Strecke, die als eine der schwierigsten der Welt gilt, verlangt nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch höchste Präzision, Übersicht im Verkehr und ein tiefes Verständnis für wechselnde Gripverhältnisse. All diese Faktoren meisterte der Niederländer auf beeindruckende Weise. Der Lauf diente für Verstappen vor allem als Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, das vom 14. bis 17. Mai 2026 stattfindet. In dieser Hinsicht verliert die Disqualifikation an sportlicher Bedeutung, denn die gesammelten Erfahrungen bleiben bestehen. Mehrere gefahrene Stints, intensiver Verkehr mit über 130 Fahrzeugen und wechselnde Bedingungen lieferten wertvolle Erkenntnisse für den weiteren Saisonverlauf.

Durch den Ausschluss rückte ROWE Racing mit Dan Harper und Jordan Pepper im BMW M4 GT3 auf den ersten Platz vor. Dahinter komplettierten Falken Motorsport im Porsche 911 GT3 R sowie BLACK FALCON in Zusammenarbeit mit LOSCH Motorsport das Podium, wobei Letztere zusätzlich die Pro-Am-Wertung für sich entschieden. Auch in den weiteren Klassen konnten sich Teams wie Smyrlis Racing, PROsport Racing und Sorg Rennsport in ihren jeweiligen Kategorien durchsetzen.

Die Reaktionen auf die Disqualifikation fielen entsprechend deutlich aus. Aufgrund der Prominenz Verstappens rückte die Entscheidung besonders stark in den Fokus der Öffentlichkeit. Gleichzeitig wurde sie jedoch auch als Beleg für die konsequente Regelauslegung der Serie gewertet. Die Nürburgring Langstrecken-Serie hat in der Vergangenheit mehrfach gezeigt, dass technische Vorschriften strikt angewendet werden – unabhängig davon, welcher Fahrer oder welches Team betroffen ist. Verstappen selbst reagierte sachlich auf den Vorfall. Für ihn stand weiterhin der sportliche Wert des Rennens im Vordergrund. Er betonte, dass es ihm vor allem darum gehe, so viele Kilometer wie möglich auf der Nordschleife zu sammeln und sich optimal auf zukünftige Langstreckeneinsätze vorzubereiten. Diese Haltung unterstreicht seinen langfristigen Ansatz im GT- und Langstreckensport.

Für das Team hingegen bleibt der Vorfall eine wichtige Lehre. Die detaillierte Analyse zeigt, wie schnell selbst kleine Abweichungen im Ablauf zu einem Regelverstoß führen können – insbesondere unter schwierigen äußeren Bedingungen. Faktoren wie niedrige Temperaturen, spontane Setup-Änderungen und interne Kommunikationsfehler können sich im komplexen Ablauf eines Rennwochenendes summieren. Mit Blick auf die weitere Saison dürfte der Fokus nun darauf liegen, solche Fehler künftig zu vermeiden. Denn sportlich hat das Team eindrucksvoll bewiesen, dass es auf Augenhöhe mit der Spitze agieren kann. Die Kombination aus Geschwindigkeit, Strategie und Fahrerkönnen stimmt – entscheidend ist nun die fehlerfreie Umsetzung. Auch die Perspektive auf die kommenden Rennen bleibt spannend. Bereits beim nächsten Lauf der Serie, der 57. Adenauer ADAC Rundstrecken-Trophy im April, könnte Verstappen erneut an den Start gehen. Sollte sich dies bestätigen, hätten Fans die nächste Gelegenheit, den Formel-1-Weltmeister auf der Nordschleife zu erleben.

Am Ende bleibt der Barbarossapreis 2026 ein Rennen, das in Erinnerung bleiben wird – nicht nur wegen der starken Leistung auf der Strecke, sondern auch aufgrund der konsequenten Anwendung des Reglements. Die Disqualifikation zeigt exemplarisch, wie hoch die technischen Anforderungen im modernen Motorsport sind und wie entscheidend jedes Detail sein kann. Eines steht jedoch fest: Unabhängig vom offiziellen Ergebnis hat Max Verstappen erneut bewiesen, dass er zu den schnellsten Fahrern auf der Nordschleife zählt. Für ihn und das gesamte Umfeld war dieser Lauf trotz des nachträglichen Wertungsausschlusses ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu den kommenden Herausforderungen im Langstreckensport.

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