
Black Falcon Team Liqui Moly Porsche 911 (992.2) GT3 Cup
Foto: Chrisitan Schnurpfeil
NLS 1 2025
NLS1 2026 – Der abgesagte Saisonauftakt am Nürburgring
Text: Paul Schnurpfeil, 14.3.2026 15:08
Auftakt unter schwierigen Bedingungen: NLS 1 2026 wird zur wetterbedingten Zäsur auf der Nürburgring Nordschleife
Nürburg. Der geplante Saisonauftakt der Nürburgring Langstrecken-Serie am 14. März 2026 ist nicht auf der Strecke entschieden worden. Statt eines sportlichen Schlagabtauschs in der GT3-Topklasse prägten winterliche Bedingungen das Geschehen – mit der Konsequenz einer vollständigen Absage der Veranstaltung. Damit blieb die SP9-Kategorie, üblicherweise das Aushängeschild der Serie, ohne jede Rennrunde im Wettbewerb.
Bereits in den Tagen vor dem Event deuteten die Wetterprognosen auf kritische Bedingungen hin. Niedrige Temperaturen, Niederschläge und insbesondere Schneefall im Bereich der Eifel sorgten für Unsicherheit bei Teams und Organisatoren. Spätestens am Rennwochenende selbst bestätigten sich diese Befürchtungen: Teile der Nordschleife waren mit Schnee bedeckt, während in anderen Streckenabschnitten Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt herrschten.
Die besondere Charakteristik der Kombination aus Grand-Prix-Kurs und Nordschleife verschärft solche Situationen zusätzlich. Während moderne Grand-Prix-Strecken vergleichsweise homogen zu präparieren sind, zieht sich die Nordschleife über mehr als 20 Kilometer durch unterschiedliche Höhenlagen und Mikroklimata. Selbst wenn einzelne Streckenabschnitte fahrbar erscheinen, können wenige Kilometer entfernt völlig andere Bedingungen herrschen – ein Umstand, der ein sicheres Rennen unmöglich macht. Für die GT3-Teams bedeutete dies eine ungewohnte Ausgangslage. Nach intensiven Vorbereitungen, Testfahrten und Abstimmungsarbeit blieb ihnen die Möglichkeit verwehrt, ihre Performance unter Rennbedingungen zu überprüfen. Gerade zu Saisonbeginn hat die Nürburgring Langstrecken-Serie traditionell eine wichtige Funktion als Standortbestimmung: Fahrzeugabstimmung, Reifenverhalten und strategische Abläufe werden unter realen Bedingungen evaluiert. All dies entfiel.
Die Entscheidung zur Absage fiel nach eingehender Bewertung durch Rennleitung und Veranstalter. Maßgeblich waren Sicherheitsaspekte – insbesondere im Hinblick auf die hohen Geschwindigkeiten der GT3-Fahrzeuge und die begrenzten Ausweichmöglichkeiten auf der Nordschleife. Sichtverhältnisse, Streckenzustand und Temperaturen ließen einen sicheren Rennbetrieb nicht zu. Auch ein verkürztes oder zeitlich verschobenes Rennen stand nicht zur Debatte. Anders als bei vielen permanenten Rennstrecken ist die logistische und sicherheitstechnische Organisation auf der Nordschleife deutlich komplexer. Streckenposten, Rettungsfahrzeuge und Sicherungssysteme müssen über eine große Distanz hinweg koordiniert werden. Unter winterlichen Bedingungen wäre selbst ein eingeschränkter Betrieb mit erheblichen Risiken verbunden gewesen.
Für die GT3-Kategorie (SP9) ist der Ausfall des ersten Laufs besonders relevant. Die Klasse stellt nicht nur die schnellsten Fahrzeuge im Feld, sondern dient zugleich als zentrale Plattform für Hersteller und professionelle Teams. Marken wie Mercedes-AMG, Audi, BMW, Porsche, Lamborghini und Aston Martin nutzen die Serie gezielt zur Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Der entfallene Lauf reduzierte somit die verfügbare Rennpraxis erheblich. Hinzu kommt die Bedeutung des ersten Rennens für die sportliche Einordnung innerhalb der Saison. Ohne belastbare Renndaten bleibt unklar, wie sich die Balance of Performance konkret auf die verschiedenen Fahrzeuge auswirkt. Zwar liefern Testfahrten und Simulationen erste Hinweise, doch erst unter Rennbedingungen – im dichten Verkehr und über längere Distanzen – zeigt sich das tatsächliche Kräfteverhältnis.
Auch strategische Abläufe konnten nicht unter Wettbewerbsbedingungen erprobt werden. Boxenstopps, Fahrerwechsel und Reifenmanagement sind im Langstreckensport entscheidende Faktoren, deren Feinabstimmung normalerweise bereits beim Saisonauftakt beginnt. Für viele Teams bedeutete die Absage daher einen spürbaren Rückschlag im Entwicklungsprozess.
Die Auswirkungen reichten über die GT3-Spitze hinaus. Die Nürburgring Langstrecken-Serie lebt von ihrer Vielfalt, mit zahlreichen Klassen vom seriennahen Tourenwagen bis zum professionellen Rennfahrzeug. Für alle Teilnehmer fiel eine wichtige Gelegenheit weg, sich im Wettbewerb zu messen und Punkte zu sammeln. Entsprechend wurde der zweite Lauf eine Woche später – der 58. ADAC Barbarossapreis – faktisch zum Saisonauftakt. Aus organisatorischer Sicht unterstreicht die Absage einmal mehr die besonderen Herausforderungen des Motorsports in der Eifel. Die Nordschleife gilt nicht nur fahrerisch als eine der anspruchsvollsten Strecken der Welt, sondern auch in Bezug auf äußere Bedingungen. Wetterwechsel können kurzfristig auftreten und haben aufgrund der Streckenlänge unmittelbare Auswirkungen auf die Sicherheit.
Für die Fans bedeutete der ausgefallene Auftakt ebenfalls eine Enttäuschung. Die NLS zeichnet sich durch ihre Nähe zum Publikum aus, viele Zuschauer verfolgen das Geschehen direkt an der Strecke. Der Saisonbeginn ist traditionell ein wichtiger Termin im Motorsportkalender der Region. Mit Blick auf die weitere Saison hatte die Absage jedoch auch eine klare Konsequenz: Der Druck auf Teams und Fahrer erhöhte sich bereits vor dem ersten tatsächlich ausgetragenen Rennen. Ohne vorherige Standortbestimmung mussten sie beim folgenden Lauf unter Rennbedingungen unmittelbar Leistung zeigen. Im Kontext der GT3-Klasse bleibt festzuhalten, dass der ausgefallene Auftakt keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge zuließ. Weder Rennpace noch Reifenverschleiß oder strategische Optionen konnten bewertet werden. Die Karten wurden somit erst beim darauffolgenden Rennen wirklich aufgedeckt.
Die Nürburgring Langstrecken-Serie startete 2026 damit nicht auf der Strecke, sondern mit einer organisatorischen Entscheidung. Sicherheit hatte Vorrang vor sportlichem Wettbewerb – eine Priorität, die im Langstreckensport auf der Nordschleife unumstößlich ist.Der ausgefallene erste Lauf wird in der Rückschau weniger als sportliches Ereignis in Erinnerung bleiben, sondern vielmehr als Beispiel für die Unberechenbarkeit der Bedingungen in der Eifel. Gleichzeitig legte er den Grundstein für einen verdichteten Saisonstart, bei dem sich alle Erwartungen und offenen Fragen in das erste tatsächlich ausgetragene Rennen verlagerten.

Verstappen Racing Mercedes-AMG GT3
Foto: Paul Schnurpfeil

Rowe Racing BMW M4 GT3
Foto: Christian Schnurpfeil