BMW M3

Ein echtes Fan-Projekt für das 24H Rennen 2026

BMW M3 Touring 24H 

Foto: Christian Schnurpfeil

Der neue BMW M3 Touring 24H

Text: Christian Schnurpfeil, 19.3.2026 13:22

Der BMW M3 Touring 24H ist eines der ungewöhnlichsten und gleichzeitig faszinierendsten Fahrzeuge, die in den letzten Jahren im Umfeld des 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring entstanden sind. Was zunächst als humorvoll gemeinter Aprilscherz begann, entwickelte sich innerhalb weniger Monate zu einem realen Motorsportprojekt mit ernsthaftem technischen Anspruch, hoher medialer Aufmerksamkeit und großer emotionaler Bindung zur Fanbasis.

Der Ursprung des Fahrzeugs liegt in einer Kommunikationskampagne von BMW M GmbH. Im Frühjahr 2025 veröffentlichte das Unternehmen erste Bilder eines vermeintlichen Renn-M3 Touring im Look eines GT3-Fahrzeugs. Die Resonanz übertraf alle Erwartungen. Innerhalb kürzester Zeit verbreitete sich das Konzept viral über soziale Medien, Motorsportforen und Fachportale. Die ungewöhnliche Kombination aus Hochleistungs-Renntechnik und praktischer Kombi-Karosserie traf einen Nerv – insbesondere in Europa, wo Touring-Modelle traditionell eine hohe Beliebtheit genießen. Aufgrund dieser enormen Resonanz entschied sich die BMW M GmbH, das Konzept nicht nur als Marketingidee stehen zu lassen, sondern tatsächlich umzusetzen. Daraus entstand der M3 Touring 24H – ein Fahrzeug, das bewusst zwischen Showcar, Technologieträger und ernstzunehmendem Rennwagen positioniert ist. Technisch basiert der M3 Touring 24H nicht auf dem Serienfahrzeug im klassischen Sinne, sondern orientiert sich stark am aktuellen GT3-Fahrzeug von BMW, dem BMW M4 GT3. Das bedeutet: Die gesamte Renntechnik wurde weitgehend übernommen, während die äußere Formensprache an den M3 Touring angelehnt ist. Dieses Konzept erlaubt es, die Leistungsfähigkeit eines modernen GT3-Fahrzeugs mit einer völlig ungewöhnlichen Karosserieform zu kombinieren. Im Zentrum steht der bekannte 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Biturbo-Motor (S58), der auch in der Serienversion des M3 eingesetzt wird, im Renntrimm jedoch umfassend modifiziert wurde. Je nach Balance-of-Performance-Einstufung leistet das Aggregat rund 550 bis 590 PS bei einem Drehmoment von etwa 650 bis 700 Nm. Die Kraftübertragung erfolgt über ein sequenzielles 6-Gang-Renngetriebe an die Hinterräder. Eine Traktionskontrolle sowie ein mehrstufig einstellbares ABS-System gehören zur Standardausstattung im GT3-Segment und wurden auch hier integriert. Das Fahrwerk basiert auf einem voll einstellbaren Rennsetup mit Doppelquerlenkern, speziell entwickelten Dämpfern und einer für Langstreckenrennen optimierten Geometrie. Besonders herausfordernd war die Anpassung an die Touring-Karosserie. Im Vergleich zum klassischen Coupé bringt diese konstruktionsbedingt andere aerodynamische Eigenschaften und eine leicht veränderte Gewichtsverteilung mit sich. Die Aerodynamik wurde entsprechend umfangreich überarbeitet. Ein großer Frontsplitter, ausgeprägte Canards, ein diffuser Heckbereich sowie ein massiver Heckflügel sorgen für den notwendigen Abtrieb. Gleichzeitig musste das Strömungsverhalten im Bereich des verlängerten Dachs und des Hecks neu interpretiert werden. Das Ergebnis ist ein aerodynamisches Gesamtpaket, das trotz der ungewöhnlichen Silhouette konkurrenzfähig bleibt.

Ein zentrales Merkmal des Fahrzeugs ist die konsequente Leichtbauweise. Der Großteil der Karosserie besteht aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK), wodurch das Fahrzeuggewicht auf etwa 1.300 bis 1.350 Kilogramm reduziert werden konnte – vergleichbar mit klassischen GT3-Fahrzeugen. Sicherheitsstrukturen wie Überrollkäfig, Feuerlöschsystem und Rennsitz entsprechen den aktuellen FIA-Regularien. Eingesetzt wurde der M3 Touring 24H im Rahmen der Nürburgring Langstrecken-Serie sowie beim 24-Stunden-Rennen selbst, allerdings nicht in der klassischen GT3-Kategorie (SP9), sondern in der SPX-Klasse. Diese Kategorie ist für experimentelle oder nicht homologierte Fahrzeuge vorgesehen und bietet Herstellern die Möglichkeit, neue Konzepte unter realen Rennbedingungen zu erproben. Der Einsatz erfolgte durch das erfahrene Team Schubert Motorsport, das bereits zahlreiche Erfolge im GT-Sport vorweisen kann. Die Fahrerbesetzung bestand aus etablierten BMW-Werkspiloten, darunter Jens Klingmann, Connor De Phillippi und Neil Verhagen. Diese Kombination aus erfahrenen Piloten und technischer Expertise stellte sicher, dass das Fahrzeug nicht nur als Showcar wahrgenommen wurde, sondern echte Rennleistung zeigte. Auf der Strecke konnte der M3 Touring 24H durchaus überzeugen. Die Rundenzeiten lagen – je nach Verkehr und Bedingungen – nur wenige Sekunden hinter denen etablierter GT3-Fahrzeuge. Besonders bemerkenswert war die Stabilität über längere Distanzen hinweg. Trotz der experimentellen Natur des Projekts zeigte sich das Fahrzeug zuverlässig und konkurrenzfähig. Natürlich brachte das Konzept auch Herausforderungen mit sich. Die aerodynamische Balance war aufgrund der Karosserieform komplexer als bei klassischen GT3-Fahrzeugen. Zudem erforderte die Kühlung des Motors und der Bremsen zusätzliche Anpassungen, da die Luftführung im Touring-Heckbereich anders funktioniert als bei einem Coupé.

Ein weiterer Aspekt ist die strategische Einordnung des Projekts. Der M3 Touring 24H ist kein Fahrzeug, das auf unmittelbaren Gesamtsieg ausgelegt ist. Vielmehr dient er als Technologieträger, Marketinginstrument und Bindeglied zwischen Serienfahrzeug und Motorsport. Für BMW bietet das Projekt die Möglichkeit, neue Ideen zu testen und gleichzeitig die Marke emotional aufzuladen. Gerade im Kontext des Nürburgrings entfaltet das Fahrzeug seine volle Wirkung. Die Nordschleife gilt als Prüfstand unter Extrembedingungen. Höhenunterschiede, wechselnde Witterung, lange Vollgaspassagen und technische Abschnitte stellen höchste Anforderungen. Ein Fahrzeug, das hier besteht, beweist nicht nur Leistungsfähigkeit, sondern auch Robustheit. Auch bei den Fans traf der M3 Touring 24H auf enorme Begeisterung. Die Kombination aus Alltagstauglichkeit (zumindest in der Serienform) und kompromissloser Renntechnik spricht eine breite Zielgruppe an. Viele Zuschauer identifizieren sich stärker mit einem Touring-Modell als mit einem reinen Renncoupé. Diese emotionale Komponente ist im Motorsport nicht zu unterschätzen. Darüber hinaus zeigt das Projekt, wie stark sich die Beziehung zwischen Herstellern und Community verändert hat. Die Umsetzung eines ursprünglich humorvollen Konzepts ist ein klares Signal dafür, dass Feedback aus der Fanbasis ernst genommen wird. In einer Zeit, in der Motorsport zunehmend von Regularien und wirtschaftlichen Zwängen geprägt ist, wirkt ein solches Projekt erfrischend unkonventionell.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der BMW M3 Touring 24H weit mehr ist als ein spektakulärer Hingucker. Er ist ein Beispiel für innovative Denkansätze im Motorsport, für die Verbindung von Emotion und Technik sowie für die Fähigkeit eines Herstellers, flexibel auf die Wünsche seiner Community zu reagieren. Auch wenn das Fahrzeug nicht in erster Linie auf Gesamtsiege ausgelegt ist, hat es bereits jetzt einen festen Platz in der Geschichte des Nürburgrings eingenommen. Mit seiner Mischung aus GT3-Technologie, ungewöhnlicher Karosserieform und starker Fanbindung steht der M3 Touring 24H sinnbildlich für eine neue Art von Motorsportprojekten – experimentell, publikumsnah und technisch anspruchsvoll zugleich.

BMW M3 Touring 24H 

Foto: Paul Schnurpfeil

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