
Foto: Chrisitan Schnurpfeil
NLS 1 2025
NLS1 2026 – Der abgesagte Saisonauftakt am Nürburgring
Text: Paul Schnurpfeil, 14.3.2026 15:08
Wie Schnee, Eis und Eifelwetter den Start der Langstreckensaison verhinderten
Der geplante Saisonauftakt der ADAC RAVENOL Nürburgring Langstrecken‑Serie (NLS) am 14. März 2026 sollte eigentlich der Startschuss in ein motorsportreiches Jahr werden. Stattdessen wurde der 67. ADAC Westfalenfahrt zu einem Sinnbild für die Unberechenbarkeit der Eifel. Schnee, Eis und anhaltende Minusgrade machten eine sichere Durchführung unmöglich – und führten zur vollständigen Absage des ersten Rennens der Saison. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, die Abläufe und die Auswirkungen dieser Entscheidung auf Teams, Fans und die gesamte Serie.
Ein Wochenende, das früh unter schlechten Vorzeichen stand
Schon Tage vor dem geplanten Renntermin war klar, dass das Wetter eine zentrale Rolle spielen würde. Die Prognosen kündigten winterliche Bedingungen an, wie sie für die Eifel im März zwar nicht ungewöhnlich, aber für einen Rennbetrieb auf der Nordschleife problematisch sind. Am Freitag vor dem Rennen bestätigten sich die Befürchtungen:
- Schneefall in der Nacht
- Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt
- Glatteis auf Teilen der Nordschleife und der GP‑Strecke
- Keine Aussicht auf nachhaltige Erwärmung im Tagesverlauf
Die Rennleitung, die Streckensicherung und die Sportwarte begannen früh mit der Lagebeurteilung. Doch trotz intensiver Räumarbeiten und Salzstreuung blieb die Strecke in kritischen Abschnitten unbefahrbar.
Die Entscheidung: Absage aus Sicherheitsgründen
Am Samstagmorgen wurde die Situation erneut bewertet. Die Nordschleife zeigte sich in weiten Teilen weiß überzogen, insbesondere in schattigen Waldpassagen wie Kesselchen, Hohe Acht und Pflanzgarten. Die Rennleitung kam zu einem klaren Ergebnis: Ein sicherer Rennbetrieb war nicht möglich.
Die offizielle Absage erfolgte noch am Vormittag – bevor das Qualifying überhaupt beginnen konnte. Die Begründung war eindeutig:
- Hohe Unfallgefahr für alle Fahrzeugklassen
- Keine realistische Chance, die Strecke rechtzeitig vollständig eisfrei zu bekommen
- Schutz der Sportwarte, Marshals und Rettungskräfte
Die Entscheidung wurde von Teams und Fahrern überwiegend mit Verständnis aufgenommen. Die NLS ist bekannt für ihre strengen Sicherheitsstandards, und die Nordschleife verzeiht keine Kompromisse.
Warum die Nordschleife besonders anfällig ist
Die Nürburgring Nordschleife ist mit ihren über 20 Kilometern Länge und starken Höhenunterschieden eine der komplexesten Rennstrecken der Welt. Gerade im Frühjahr entstehen dadurch besondere Herausforderungen:
Typische Problemzonen bei Kälte
Schattige Waldpassagen bleiben lange gefroren
Feuchtigkeit aus den Tälern gefriert über Nacht
Windschneisen wie Döttinger Höhe können trocken sein, während andere Abschnitte vereist bleiben
Temperaturunterschiede von bis zu 8 Grad zwischen verschiedenen Streckenabschnitten
Selbst wenn Teile der Strecke frei sind, reicht ein einziger vereister Abschnitt, um ein Rennen unmöglich zu machen.
Auswirkungen auf Teams und Fahrer
Die Absage traf ein großes Teilnehmerfeld. Über 130 Fahrzeuge waren gemeldet – von GT3‑Boliden der SP9 bis zu Produktionswagen der V‑Klassen. Für viele Teams bedeutete die Absage:
- Vergebliche Anreise von Mechanikern, Fahrern und Material
- Bereits aufgebaute Boxen und Hospitality‑Bereiche
- Kosten für Transport, Unterkunft und Vorbereitung
- Kein Renndaten‑Material für die Saisonvorbereitung
- Keine Möglichkeit, neue Setups oder Fahrerbesetzungen zu testen
- Verzögerte Einstufung neuer Fahrzeuge und Balance‑of‑Performance‑Daten
Gerade für Teams, die neue Fahrer oder Fahrzeuge einsetzen wollten, war der Ausfall ein Rückschlag.
Auswirkungen auf Fans und Zuschauer
Auch für die Fans war die Absage enttäuschend. Viele hatten sich auf den ersten Renntag des Jahres gefreut – traditionell ein Treffpunkt für die Nordschleifen‑Gemeinde. Die Absage bedeutete:
Keine Zuschauer an der Strecke
Keine Livestream‑Übertragung
Keine Fan‑Events im Fahrerlager
Dennoch wurde die Entscheidung in den sozialen Medien überwiegend positiv aufgenommen. Die Mehrheit der Fans zeigte Verständnis für die Sicherheitspriorisierung.
Organisatorische Konsequenzen für die Serie
Die Absage von NLS1 2026 hatte mehrere organisatorische Auswirkungen:
1. Saisonstart verschoben
Der erste tatsächlich gefahrene Lauf war nun NLS2 am 21. März 2026.
2. Keine Ersatzveranstaltung
Wie üblich bei frühen Saisonabsagen wurde kein Ersatztermin angesetzt. Der Kalender blieb unverändert.
3. Auswirkungen auf die Meisterschaft
Da NLS1 nicht gewertet wurde:
Keine Punktevergabe
Keine Auswirkungen auf die Jahreswertung
Teams starteten erst bei NLS2 in die Meisterschaft
4. Signalwirkung für die Saison
Die Absage zeigte erneut, wie wichtig flexible Planung und Wetterreserven in der Eifel sind.
Einordnung in die Historie der NLS
Absagen aufgrund von Schnee sind in der Geschichte der VLN/NLS nicht ungewöhnlich. Die Serie startet traditionell früh im Jahr – oft zu einem Zeitpunkt, an dem die Eifel noch tief im Winter steckt.
Die Serie ist darauf vorbereitet – und die Teams wissen, dass der März am Nürburgring immer ein Risiko birgt.
Fazit: Ein nüchterner, aber notwendiger Start in die Saison 2026
Die Absage von NLS1 2026 war ein klassisches Beispiel dafür, wie unberechenbar die Eifel sein kann. Statt eines packenden Saisonauftakts gab es einen Tag voller organisatorischer Herausforderungen, enttäuschter Erwartungen – aber auch einer klaren Botschaft:
Sicherheit steht über allem.
Die Entscheidung war konsequent, nachvollziehbar und im Sinne aller Beteiligten. Mit NLS2 eine Woche später begann die Saison dann unter deutlich besseren Bedingungen – und mit einem der spektakulärsten Renntage der letzten Jahre.

Foto: Paul Schnurpfeil