
Equipe Vitesse Audi R8 LMS GT3
Foto: Chrisitan Schnurpfeil
NLS 1
70. ADAC Westfalenfahrt – Der Saisonauftakt der NLS 2025
Text: Paul Schnurpfeil, 22.3.2025 17:56
Ein Porsche‑Festival, ein Rekordfeld und ein Auftakt, der die Weichen für die Saison stellt
Mit der 70. ADAC Westfalenfahrt am 22. März 2025 begann die Saison der Nürburgring Langstrecken‑Serie (NLS) auf der Kombination aus Nürburgring Nordschleife und Grand‑Prix‑Kurs in der Eifel. Der Lauf über vier Stunden markierte den Auftakt zur insgesamt zehnten Saison der modernen Langstreckenserie und bot sofort ein packendes sportliches Bild, das vor allem die Spitzenklasse SP9‑GT3 betraf. Mehr als einhundert Fahrzeuge verschiedenster Klassen traten an, doch es war einmal mehr die Performance der GT3‑Pro‑Teams, die im Gesamtklassement den Ton angaben und die Zuschauer entlang des Kurses begeisterten.
Vom Start weg entwickelte sich im SP9‑Feld ein intensiver Kampf um die Führung. Schon früh zeigte sich, dass Falken Motorsports mit seinen beiden Porsche 911 GT3 R an diesem Tag eine besondere Stärke gefunden hatte. Das Team setzte sich in der Spitzengruppe fest und bestimmte über weite Strecken des Rennens das Tempo. Dass die von ihnen eingesetzten Fahrzeuge nicht nur schnell, sondern auch über die volle Renndistanz zuverlässig arbeiteten, wurde im Laufe des Rennens immer deutlicher.
Am Ende stand ein Doppelsieg für Falken Motorsports, der den Saisonauftakt eindrucksvoll dominierte. Das Fahrzeug mit der Startnummer 3, pilotiert von Sven Müller und Morris Schuring, überquerte nach vier Stunden Renndistanz als erstes die Ziellinie. Der Vorsprung auf die eigenen Teamkollegen war mit rund 3,068 Sekundenvergleichsweise gering – ein Hinweis darauf, wie eng die Leistungen der beiden Falken‑Porsche beieinander lagen. Direkt hinter dem Siegerklassierten folgte das Schwesterauto mit Dorian Boccolacci und Nico Menzel, ebenfalls im Porsche 911 GT3 R unterwegs.
Das starke Ergebnis für Falken Motorsports wurde abgerundet durch zwei weitere GT3‑Fahrzeuge von Porsche auf den nächsten Gesamtpositionen. Der „Grello“ Porsche 911 GT3 R des Teams Manthey EMA mit Ayhancan Güven und Thomas Preining komplettierte das Podium auf dem dritten Rang. Ein weiteres Porsche‑Fahrzeug aus dem Dinamic‑GT‑Team gelangte auf Platz vier, womit vier der ersten vier Plätze im Gesamtklassement an Porsche‑Teams gingen – ein beeindruckender Beleg für die Leistungsfähigkeit dieser Fahrzeuge auf der langen, technischen Nordschleife.
Der Rennverlauf des ersten Laufs zeigte eine interessante Mischung aus Positionskämpfen, taktischen Entscheidungen und routiniertem Verkehr-Management. In den ersten Stunden konnten sich die Falken‑Autos relativ stabil an der Spitze halten, während andere Leichtmetall‑Boliden wie der BMW M4 GT3 oder der Audi R8 LMS GT3 zwischenzeitlich in den Top 5 unterwegs waren, sich aber nie nachhaltig an die dominierende Porsche‑Truppe heranarbeiten konnten. Der Verkehr, der auf der Nordschleife durch die Vielzahl unterschiedlich schneller Fahrzeuge ein konstanter Faktor ist, machte dabei ebenso wie in anderen NLS‑Rennen immer wieder strategisch bedingte Zeitverluste aus.
Ein typisches Bild zeigte sich in den Überrundungssituationen: Während einige Spitzenfahrzeuge durch das Feld navigierten und dort Sekunden gewannen oder verloren, konnte das führende Falken‑Porsche‑Duo diese Phasen mit beeindruckender Ruhe und Präzision meistern. Gerade auf dieser langen, anspruchsvollen Runde mit zahlreichen schnellen und engen Passagen zahlt sich eine saubere Verkehrsbewältigung über eine gesamte Rennlänge aus.
Auch wenn das Highlight für viele Motorsportfans der Doppelsieg und das starke Porsche‑Ergebnis war, gab es abseits der Spitze weitere bemerkenswerte Leistungen: In den Cup‑Klassen und den seriennäheren Kategorien kämpften Teams eng um Klassensiege und Punkte für die Gesamtwertung. Fahrer in kleineren Tourenwagen‑Klassen oder im GT4‑Bereich zeigten ebenfalls konstant starke Rundenzeiten und lieferten sich sehenswerte Duelle über die volle Renndistanz.
Für Falken Motorsports bedeutete dieser Saisonauftakt nicht nur einen sportlichen Volltreffer, sondern auch eine frühe Machtdemonstration im Kampf um die Meisterschaft. Mit einem klassischen „One‑Two“ in der SP9‑Pro‑Wertung starteten sie die Saison mit maximaler Punkteausbeute und setzten damit eine frühe Messlatte für ihre Kontrahenten. Darüber hinaus unterstrich das Ergebnis, wie stark das Porsche‑Konzept auf der Nordschleife funktioniert – insbesondere in einem Umfeld, in dem Strategie, Fahrzeugabstimmung und Fahrerpaarungen gleichermaßen gefragt sind.
Mehr als 7 000 Zuschauer verfolgten den Saisonauftakt vor Ort an der Strecke und in den exklusiven Zuschauerzonen entlang der Nordschleife – ein neuer Rekord für ein einfaches NLS‑Renndatum. Diese Kulisse spiegelte das steigende Interesse am Langstreckensport wider, das über die Jahre konstant gewachsen ist und die NLS zu einer der populärsten Breitensport‑ und Profisportplattformen im deutschen Motorsport gemacht hat.
In der Gesamtwertung nach diesem ersten Rennen setzten sich daher mehrere Fahrer und Teams früh an die Spitze ihrer jeweiligen Klassen. Neben der SP9‑Elite konnten auch in anderen Kategorien Punkte vergeben werden, die später im Saisonverlauf für die Titelentscheidung von Bedeutung sein würden. Insgesamt bot der 70. ADAC Westfalenfahrt‑Lauf einen gelungenen, abwechslungsreichen Start in die NLS‑Saison 2025 – sportlich packend, breit gefächert im Teilnehmerfeld und technisch anspruchsvoll auf der einzigartigen Nordschleife.

Manthey Racing "Grello"
Foto: Paul Schnurpfeil