Fotografie-Guide

Wie fotografiere ich Rennen?

Ein klassicher Mitzieher: 1/125sec f/16 Iso 100

Foto: Christian Schnurpfeil

Text: Christian Schnupfeil

Motorsport-Fotografie wirkt auf den ersten Blick spektakulär – schnelle Autos, Action, Emotionen. Gleichzeitig gehört sie zu den anspruchsvollsten Bereichen der Fotografie. Wer zum ersten Mal an einer Rennstrecke steht, merkt schnell: Einfach draufhalten reicht nicht. Geschwindigkeit, wechselnde Lichtverhältnisse und große Distanzen verlangen Technik, Vorbereitung und ein gutes Verständnis für den Ablauf eines Rennens. Gerade bei Events wie dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring wird das besonders deutlich, weil sich Bedingungen ständig ändern – von grellem Sonnenlicht bis zur kompletten Dunkelheit.

Der wichtigste Punkt zuerst: Motorsport-Fotografie ist eine Kombination aus Technik und Timing. Du musst verstehen, was auf der Strecke passiert, und gleichzeitig deine Kamera perfekt beherrschen.

 Die richtige Ausrüstung:

Du brauchst keine Profi-Ausrüstung für den Einstieg – aber gewisse Dinge machen dein Leben deutlich leichter.

Kamera:

  • Spiegelreflex (DSLR) oder spiegellose Kamera (Mirrorless)
  • Wichtig: schneller Autofokus + Serienbildfunktion 

Objektive:

  • Standard: 70–200mm → perfekt für viele Situationen
  • Flexibel: 70–300mm oder 100–400mm → ideal für große Strecken wie den Nürburgring
  • Für Nähe (Boxengasse, Details): 24–70mm

 Je länger die Brennweite, desto näher holst du das Auto ran – aber desto schwieriger wird das Mitziehen.

Extras:

  • Ersatzakkus (du fotografierst viel Serienbilder)
  • schnelle SD-Karte
  • ggf. Einbeinstativ (hilft bei schweren Teleobjektiven)

 Kameraeinstellungen – das Herzstück:

Hier passieren die meisten Fehler am Anfang. Es gibt zwei grundlegende Ansätze:

1. „Scharfes“ Motorsportfoto (Einfrieren)

Ziel: Auto komplett scharf, Bewegung eingefroren

  • Modus: S (Zeitpriorität) oder M
  • Verschlusszeit: 1/1000 – 1/2000 Sekunde
  • ISO: so niedrig wie möglich
  • Blende: automatisch oder ca. f/4 – f/8
  • Autofokus: AF-C / AI Servo (kontinuierlich)
  • Serienbildmodus: an

 Ergebnis:

  • Auto knackscharf
  • Hintergrund statisch

Gut für:

  • erste Versuche
  • Action-Momente (Crashs, Zweikämpfe)

2. Mitzieher (Panning) – der „Pro-Look“:

Das sind die Bilder, die nach Motorsport aussehen.

Ziel: Auto scharf, Hintergrund verschwommen → Bewegung sichtbar

  • Verschlusszeit: 1/60 – 1/250 Sekunde
  • Autofokus: AF-C
  • Serienbild: an
  • Stabilisierung: an (Mode 2 bei vielen Objektiven)

Technik:
Du bewegst die Kamera mit dem Auto mit.

  • gleichmäßige Bewegung
  • durchziehen (auch nach dem Auslösen weiter schwenken!)

 Ergebnis:

  • Auto scharf
  • Hintergrund zieht vorbei → Dynamik

 Tipp:

  • Starte bei 1/160s
  • arbeite dich langsam runter (1/125, 1/80…)

Verständnis für die Strecke:

Gute Motorsport-Fotos entstehen nicht nur durch Technik – sondern durch Position.

Am Nürburgring Nordschleife zum Beispiel gibt es völlig unterschiedliche Spots:

  • Kurven → Autos langsamer → leichter zu fotografieren
  • Geraden → sehr schnell → schwieriger, aber spektakulär
  • Höhenunterschiede → dramatische Bilder

Gute Spots:

  • Kurveneingänge (Bremsen, Action)
  • Kurvenausgänge (Beschleunigung, Drift)
  • Kuppen (Auto hebt sich leicht → spektakulär)

Verhalten an der Rennstrecke:

Das wird oft unterschätzt – ist aber extrem wichtig.

Sicherheit geht vor

  • bleib immer hinter Zäunen/Absperrungen
  • unterschätze niemals Geschwindigkeit
  • achte auf Streckenposten

Respekt gegenüber anderen

  • dräng dich nicht vor Fotografen
  • blockiere keine Sicht
  • keine riskanten Aktionen für „das perfekte Bild“

Timing ist alles

  • beobachte den Verkehr
  • antizipiere Situationen (Überholmanöver, Zweikämpfe)
  • nicht nur draufhalten – vorausdenken

Nachtfotografie (z. B. 24h Rennen)

Hier wird’s spannend – und schwierig.

Beim 24h Nürburgring Nachtphase ändern sich die Regeln:

Einstellungen:

  • ISO: 1600 – 6400
  • Blende: offen (f/2.8 – f/4)
  • Verschlusszeit:
    • Mitzieher: 1/30 – 1/80
    • „eingefroren“: kaum möglich ohne Profi-Equipment

Fokus:

  • Lichtspuren
  • Scheinwerfer
  • Atmosphäre

 Nacht = weniger Perfektion, mehr Stimmung

 Bildgestaltung – was ein gutes Foto ausmacht:

Technik allein reicht nicht.

Achte auf:

  • Hintergrund (keine störenden Zäune/Schilder)
  • Perspektive (tief = aggressiver Look)
  • Licht (Sonne im Rücken oder seitlich)
  • Emotionen (Boxenstopps, Fahrer, Fans)

Motorsport besteht nicht nur aus Autos!

Typische Anfängerfehler:

  • Verschlusszeit zu kurz → langweilige Bilder
  •  Autofokus falsch eingestellt
  •  nur Gerade fotografieren
  •  kein Mitziehen
  •  schlechte Position (Zaun im Bild)

Wie du schnell besser wirst:

  • üben, üben, üben (Serienbilder!)
  • gleiche Szene mehrfach fotografieren
  • Einstellungen bewusst variieren
  • Bilder danach analysieren

Wichtig:
90% deiner Bilder werden am Anfang Müll sein – das ist normal.

Fazit:

Motorsport-Fotografie ist anspruchsvoll, aber extrem belohnend. Wenn du einmal einen perfekten Mitzieher hinbekommst – gestochen scharfes Auto, dynamischer Hintergrund – wirst du verstehen, warum so viele davon süchtig werden.

Du brauchst:

  • grundlegendes Technikverständnis
  • Geduld
  • gutes Timing
  • und ein Gefühl für Bewegung

Egal ob beim lokalen Rennen oder beim großen Event wie dem 24h Nürburgring – die Prinzipien bleiben gleich. Und nicht vergessen- Spaß haben!

1/1000sec f/8 Iso100

Foto: Paul Schnurpfeil

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